Peugeot 504 Cabriolet

 

Hätte mein Freund Markus die Überschrift gekannt, auf die ich bei den Recherchen zu diesem Artikel mehr als nur einmal gestossen bin, er hätte sich sein rotes Peugeot 504 Cabrio nicht gekauft: «Erfolgsmodell mit Durchrostungsgarantie». Der Erfolg bezieht sich dabei auf die gesamte Modellreihe, denn der 504 in all seinen Varianten von Limousine über den Pickup bis zum Krankenwagen verkaufte sich gut 3,5 Millionen mal. Und die Durchrostungsgarantie bezieht sich ganz besonders auf das 504 Cabriolet und Coupé. Von Giovanni Battista Pininfarina nicht nur selber äusserst ansehnlich gezeichnet, sondern auch in seinen italienischen Montagehallen gefertigt, schafften die zwei Modelltypen die erstaunliche Leistung, noch schneller hinwegzurosten als der Rest der Palette. Vielleicht fanden auch deshalb diese beiden 1969 und damit ein Jahr nach der Limousine präsentierten Modellvarianten bis zu ihrer Einstellung im Jahre 1983 nur bescheidene 35'000 Käufer.

 

Die traurige Logik dieser Geschichte ist, dass es nicht mehr viele 504 Cabriokarossen in wirklich gutem Zustand gibt. Mindestens geahnt hat Markus dieses Problem, sonst hätte er vor dem Kauf nicht Pontius und Pilatus konsultiert, um sicher zu sein, keine chat dans le sac zu kaufen. Und offenbar hatte die Beraterriege, die ihm in corpore zum Kauf des Wagens riet, den richtigen Riecher: Kein Rost weit und breit. Unglaublich, aber wahr! Bis heute, rund 5 Jahre und viele schonungslose Kilometer später, entdeckt man an diesem 504 Cabrio kein Fleckchen braunen Lochfrasses. Zur grossen Zufriedenheit von Markus, denn der will noch viele Jahre mit seinem Liebling unterwegs sein. Und das Auto passt zu ihm wie kein zweites: Er ist bescheiden, mag nicht die grossen Auftritte und je besser man ihn kennt, desto mehr schätzt man ihn. Kann man eins zu eins auf den 504 übertragen. Die Technik ist nicht nur zuverlässig. Sie ist schlicht unverwüstlich. Das beweist unter anderem der unverminderte Einsatz abertausender 504er in allen Variationen in Afrika, wo er zu den beliebtesten Wagen aller Zeiten gehört. Gut gibt es dort kaum Regen, geschweige denn Schnee und Salz, sonst hätte man diese technische Robustheit vielleicht gar nie herausgefunden. Hier sei der Hinweis erlaubt, dass der während einiger Zeit erhältliche V6-Motor schon im Allgemeinen nicht zu den grossen Würfen der Motorbauerkunst zählt und im Besonderen in den 504 Coupés und Cabrios weil anfällig nicht sehr beliebt war.

 

Also, die Technik in Ehren, aber die zeitlose Linie des 504 Cabriolets ist doch das eigentliche Meisterwerk. Wie bei vielen Cabriolets beeindruckt sie am meisten bei geöffnetem Dach. Schlicht, elegant, wohl proportioniert, so wirkt sie auf den Betrachter. Als ich mich hinters Steuer klemmen und dabei eines der französischen Fauteuils besetzen darf, fühle ich mich jedenfalls auf Anhieb wohl. Kurz bewundere ich noch die in dieser Zeit typische – braune! – Plastikeinrichtung. Danach folgt der Grundkurs 504-Fahren: Das Zündschloss finde ich links, den Blinkerhebel rechts vom Lenkrad. Xmal wird also in der nächsten Stunde bei eitel Sonnenschein der Scheibenwischer loswedeln. Dazu betätigt sich der Blinker in Kurven auch mal selber und sorgt damit nicht für mehr Ruhe. Fortgeschrittenenkurs ist bei Markus’ 504 das Anfahren mit dem Schaltknüppel, der partout nicht im ersten Gang bleiben will. Nur Handauflegen nützt, was aber gleichzeitiges Rangieren und – genau – Blinker betätigen nicht fördert. Einmal auf gerader Strasse und Minimum im zweiten Gang unterwegs, legt sich aber die Anfahrtshektik und es geht beförderlich von dannen. Die Fahrleistungen des 106 PS starken Zweilitermotors sind ausreichend, der Verbrauch recht moderat. Die sportlichen Attribute im Vergleich zur Limousine beschränkten sich schon von der Lancierung an auf eine breitere Spur, einen kürzeren Radstand, ein «Sportlenkrad» und eine Knüppelschaltung. Mit letzterer konnte man erst ab dem Modelljahrgang 79 fünf Gänge anwählen, davor waren es vier. Also auch beim 504 von Markus. Das stört aber nicht sonderlich: Die Gänge lassen sich leicht und präzise einlegen, die Übersetzung lässt auch eine zügige Fahrweise zu und auf der Autobahn machen die naturgemäss starken Windgeräusche mehr Lärm als der dezent surrende Motor.

 

Jedenfalls unterhalte ich mich auch bei 140 blendend mit Markus und registriere seine Begeisterung, wenn er liebevoll über seine «Bagnole» spricht bzw. schreit. Da bleibt nur zu sagen: Alte Liebe rostet nicht. Zumindest wenn man die Partnerin so sorgfältig auswählt wie Markus.

 

Aus: SwissClassics - Das Oldtimermagazin der Schweiz, Heft 05-1/2005.
Autor: Christoph von Arb

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