FaF - Freunde alter Fahrzeuge 
FaF
Männer mit Charakter mit Schlitten mit Charakter.
Das sind die Freunde alter Fahrzeuge.
Kontakt: info@freundealterfahrzeuge.ch
News
Frühlingsausflug 2012 in den obersten Zipfel des Oberwallis, 15. bis 17. Juni
Nachdem das hinterste Lötschental erdriftet, die schwarzen Kampfkühe in den Schattenbergen besucht,...
FaF Shop
Profitieren Sie von unseren preiswerten Angeboten!
Hier geht es weiter.
Login
Porsche 911 RS
Die Kurve genommen.
In einem Porsche 911 RS.
Unauffällig war er, schlicht weiss, wunderbar gepflegt und gänzlich original. Und doch hat Michael ihn verkauft, seinen 1972er Porsche 911 E. Im Jahre 2006 schrieb ich darüber in dieser Reihe noch „Sein Porsche ist weiss mit rotem Interieur. Die Form ist in meinen Augen die purste, eindeutigste von aller 911ern. Ohne Verbreiterungen, ohne Spoiler, ohne Effekthascherei.“ Und jetzt ist er weg und hat Platz gemacht. Platz für Verbreiterungen, Spoiler und Effekthascherei. Denn so sieht Michaels Neuer aus, wie ich mit mühsam unterdrückten Tränen in den Augen feststellen muss: ein knallorangeroter Rennelfer auf Basis eines 1973 E mit RS lightweight Modifikationen.
Nach meinen Oden auf Originalität und Bescheidenheit leicht persönlich beleidigt, fange ich an, nach den Gründen dieses Sinneswandels zu bohren. Und die Erklärungen sind so bündig wie nachvollziehbar: Michael erfreute sich zwar an den Fahrleistungen seines ursprünglichen weissen Bijous und doch fuhren ihm immer wieder starke Modelle wie die R oder ST um die Ohren. So wurde er angefixt, dass da durchaus mehr drin liegt. Nun ist es aber so, dass originale Modelle mit besagten Kürzeln einerseits ab 150'000 Euro kosten und andererseits – oder eben deshalb – zu schade sind, um sich mit ihnen auf Rennstrecken zu tummeln. Pragmatisch findet er: „Der Unterschied ist doch nur ’ne Chassisnummer, der Rest ist bei meinem gleich, wenn auch nachgebaut“.
Weiterhin verstockt murrend zwänge ich mich hierauf in den engen Beifahrer-Rennsitz, bemerke aber doch gleichzeitig aus dem mittlerweile wieder trockenen Augenwinkel anerkennend den ausgeräumten Innenraum. Dann startet Michael den Motor – und mir stellen sich alle Körperhaare gen Himmel. Einen derart brachial-dreckigen Sound hatte noch keines der Fahrzeuge, von denen hier seit Erscheinen dieses Magazins die Rede war. Je nach Tourenzahl oszillieren die orgiastischen Geräusche aus dem bebürzelten Heck mit seinen zwei armdicken Chromstahlrohren zwischen Brummeln, Brabbeln, Jaulen und Erbrechen. Eine hierauf kurzerhand angeforderte Fahrt auf ein respektables Berglein führt dazu, dass auf der Passhöhe ein Trupp Motorradfahrer, die das 911er-Gebrüll wohl schon ein Weilchen nahen hörten, am Strassenrand stehen und unsere Vorbeifahrt spontan mit einer Welle begleiten!
Solche Ereignisse von sportgeschichtlicher Dimension gehören untermauert durch einige Fakten für das Vorstellungsvermögen der Daheimgebliebenen – wenn sie auch aufgrund fehlender Werksangaben teilweise auf Erfahrungs- und Vergleichswerten beruhen: rund 250 PS aus dem heiligen Dreiliter-Sechszylinder-Boxermotor treiben uns über die Wege, wo einst Postkutschen mit ein paar wenigen Pferden zu verkehren pflegten und der Spurt von null auf 100km/h findet in gut fünf Sekunden statt. Die Beschleunigung hört ungefähr bei 250 km/h auf. Des Weiteren ist das Auffälligste am Interieur, dass es keins gibt. Ausser einem Käfig und den Schalensitzen. Ansonsten findet sich hier nichts, was man zum Fahren nicht braucht. Dafür findet man etwas versteckter ein Rennfahrwerk und grosse Turbobremsen. Soeben angepasst wurden auch weitere Merkmale, die für die Erlangung des FIA-Passes verlangt werden: ein geschäumter Tank, ein Abschlepphaken, ein Stromunterbrecher, ein Feuerlöscher etc. Derart ausgeräumt bzw. ausgestattet hält der Renner mit links moderne Elfer – 964er, 993er oder 996er – auf Distanz. Das ist faszinierend, weil im Vergleich so herrlich mechanisch: Ventile auf, viel Benzin rein, wumms! Dann die "nur“ 950kg runterbremsen, mit dem Grip der Rennreifen in die Ecken und wieder rausbeschleunigen.
Solches führt dazu, dass Michael jeweils nach etwa drei Tagen Abstinenz von seinem Gerät ein unerträgliches Ziehen in der Brust verspürt. Das nennt man wohl Sucht. Beim Vorgänger kannte er solche Gefühle zwar auch. Anders Süchtige würden von unterschiedlichen Nikotin- oder Prozentgehalten sprechen. Und meine initialen Tränen der Enttäuschung sind ebenso schwer unterdrückten Freudentränen gewichen.
Aus: SwissClassics - Das Oldtimermagazin der Schweiz, Heft 23-3/2009.
Autor: Christoph von Arb
Porsche 911 E
Kennen Sie Jean Prouvé? Das war eine der grossen Gestalten der Architektur und des Designs im 20. Jahrhundert. Er hat sich bei seinen Entwürfen kompromisslos von der Funktion, von der Zweckausrichtung leiten lassen. Das sieht man, technisch, pur, funktionell, mathematisch präzis sind seine Objekte. Gleichzeitig – und das ist das Faszinierende – wohnt ihnen eine erstaunliche Emotionalität, eine eigene Poesie inne. Menschen, die nicht nur Automobilzeitschriften lesen, haben vielleicht von der aktuellen Ausstellung über Jean Prouvé gelesen. Sie heisst „Die Poetik des technischen Objekts.“
Dieser Satz beschreibt in meinen Augen trefflich das Phänomen Porsche 911. Viele Besonderheiten liegen ihm zugrunde. Eines ist, dass ein zeitgenössischer 911er immer noch ein 911er ist. Das Konzept des Sportwagens, wie es die süddeutsche Manufaktur einmal definiert hatte, wurde im Laufe der Zeit perfektioniert, im Kern aber nicht verändert. Der Erfolg bestätigt die Kohärenz des Projekts. Während in ihrer Konsequenz vergleichbare automobile Ikonen wie der Mini oder der VW Käfer bloss noch als im Kern lächerliche Retrokarikaturen ihrer selbst ein unwürdiges Dasein mit pfiffigen Aufschriften von Coiffeursalons oder Kopierateliers auf den Türen fristen, wird ein Porsche heute so ernst genommen wie eh und je. Je bedeutet vorliegend 1972. Das ist der Jahrgang des Porsche 911 E von Michael.
Michael ist ein verlässlicher Kumpel, er ist laut bis vorlaut, er ist fix, er ist schlau und ein eigenständiger, starker Charakter. Das passt doch. Sein Porsche ist weiss mit rotem Interieur. Die Form ist in meinen Augen die purste, eindeutigste von aller 911ern. Ohne Verbreiterungen, ohne Spoiler, ohne Effekthascherei. Die obligatorischen Fuchsfelgen runden den hübsch dezenten Auftritt ab und mit Freuden begebe ich mich auf den Beifahrersitz. Das Innere ist typisch nüchtern, kein Firlefanz, nichts Überflüssiges. Ausser überflüssig Platz für Lulatsche wie mich und Michael, das schätzen wir! Der 2,4-Liter lässt den tausendfach gehörten Sechszylinderboxersound erklingen, der jedem halbwegs autoaffinen Menschen einen wohligen Schauer über den Rücken jagt. Und ab geht’s: 165 Pferde schieben uns flink von dannen.
Über Landstrassen, über die Autobahn und eine Passstrasse hinauf – egal wo wir fahren, der 911er ist für alles perfekt. Michael ist mit ihm auf Rennstrecken rumgeheizt und mit seiner Freundin in die Ferien gefahren und sogar dermassen anspruchsvolle Situationen meistert man im 911er mit der Souveränität eines Tigerhais am Schnorchelriff. Während Michael dem mittlerweile gut gewärmten Motor immer orgiastischere Geräusche entlockt, berichtet er mir darüber, dass Modelle der Jahrgänge 72 und 73 bei eingefleischten Porschisti sehr beliebt seien. Bei den 72ern gebe es die interessante Eigenheit, dass der Öleinfüllstutzen zwecks Perfektionierung der Gewichtsverteilung hinten rechts angebracht worden war. Nachdem dann genug Kunden und Tankwarte eben dort Benzin eingefüllt hatten, besannen sich die Konstrukteure und versetzten den Öleinfüllstutzen nach einem Jahr wieder in den Motorraum.
Etwas später halte ich selber das traditionell hässliche Lenkrad in den Händen. Meine Begeisterung steigt proportional gleichmässig in dem Masse, wie ich mich an die stehenden Pedale gewöhne. So solide, funktional und gutbürgerlich einem an diesem Auto auch vieles vorkommen mag, seiner Faszination kann man sich spätestens eigenhändig hinter dem Lenkrad herumfuhrwerkend nicht mehr entziehen. Das merkt man auch an der grossen Nachfrage und der damit verbundenen Preisentwicklung: Gute Exemplare der Jahre 72 und 73 sind kaum noch unter 40'000 Franken zu finden, 911 S sind naturgemäss noch etwas teurer. Hat man aber mal seinen klassischen 911er gefunden, kann man sich über die weiter zu erwartende Wertsteigerung auf der einen und über den günstigen Unterhalt und die üppigen Ersatzteillager auf der andern Seite freuen.
Ja, hat denn dieses Auto überhaupt keine Schwächen? Doch, meint Michael, in Zürich führen zu viele davon rum. Nun ja, auch die Möbel von Jean Prouvé erfreuen sich bei einem sachverständigen Publikum einer überbordenden Nachfrage. So ist das mit der Poetik des technischen Objekts.
Aus: SwissClassics - Das Oldtimermagazin der Schweiz, Heft 12-4/2006.
Autor: Christoph von Arb















