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Caterham Super 7 Competition
Hassen Sie jemanden? Möchten Sie hingehen und jemanden schütteln können, bis er zur Vernunft kommt? Ich tue das. Noch nicht lange. Aber intensiv. Doch der Reihe nach.
Es gab mal ein Modell von Lotus, das hiess Super Seven. Das Konzept war einfach: Möglichst wenig Gewicht gepaart mit einem kräftigen Motörchen ergibt viel Fahrspass. Alex, ein alter Schulfreund, erlebte diesen in jungen Jahren, weil sein Götti ihn mal im Super 7 über den Passwang chauffierte. Ob es eine Erscheinung, das Nirvana, Todesängste oder eine schlichte Erektion war, weiss man heute nicht mehr genau. Aber es war etwas passiert, das Alex zum Schwur bewog, sich einen Super 7 zu genehmigen, sobald er dazu in der Lage wäre. Und das war er nun vor nicht allzu langer Zeit. Ich sah mit Spannung unserem Treffen entgegen.
Es ist ein Caterham. Diese kleine enthusiastische Autobude hat von Lotus die Rechte, Werkzeuge und Teile gekauft, als die Produktion des Super 7 eingestellt werden sollte. Erfreulicherweise produziert sie das Fahrzeug seither zumindest äusserlich mehr oder weniger unverändert weiter. Darum sieht es zwar klassisch aus, ist es aber halt nicht unbedingt. Klassikpuristen wünsche ich an dieser Stelle viel Vergnügen beim Weiterblättern. Den aufgeschlosseneren, weil hier verbliebenen Lesern tuschle ich ins gespitzte Ohr: er hat Jahrgang 2000. Und darum, ich gebe es zu, hier in der Tat nur mässig etwas verloren. Aber angesichts der einmalig langen Produktgeschichte seien alle Augen zugedrückt. Und wieder geöffnet.
Denn da steht er. Erstaunlich kompakt, gedrungen, gar verletzlich, nackt, so ohne Lack. Mein Zwiespalt wächst angesichts der massigen Sportbereifung. Doch das fiese unförmige Ding hat etwas Faszinierendes. Ich muss und will eigentlich nicht lange hinsehen. Sondern rein in den Schalensitz und fahren. Doch was ist das? Es geht nicht. Ich passe nicht hinter das Steuer. Zu lang. Alles Würgen und Murksen nützt nicht. Der Super 7 ist nicht gebaut für meine Einsvierundneunzig. Murrend zwänge ich mich also in die Beifahrersitzschale. Wenigstens das ist möglich. Vor mir viele Anzeigen über die ganze Breite der Armaturentafel verteilt. Noch bevor ich fragen kann, was denn was sei, startet Alex den Motor. Und der tönt so was von sportlich und sonor durch die Sidepipe, dass mir die Frage nach den Zeigerchen im Hals stecken bleibt. Zunächst brav und zufrieden brummelnd schiebt uns der Vierzylinder – dessen Provenienz ich diskret im Dunkeln lassen möchte – durch den Stadt-, dann den Vorstadtverkehr. Immer weiter bewegen wir uns weg von befahrenen Strassen.
Und was dann passiert, ist schier unbeschreiblich: Das Biest erwacht in einer Manier, wie ich es wohl bei keinem andern Auto mehr erleben werde. Eine monströse Faust drückt mich schlagartig und eisern in den Sitz, raubt mir die Luft. Um mich herum tost ein Wirbelsturm, Kurven werden mit diesem Auto nicht genommen, man fliegt durch sie hindurch. Kurze Werbepause: der Caterham Super 7 Competition, 600 kg, 303 PS, 0 – 100 km/h in gut 3 Sekunden. Und weiter geht’s wie auf einer besonders teuren weil wilden Bahn der Basler Herbstmesse, wie Fallschirmspringen, wie Fliegen. Ich sitze in der fahrenden Demütigung jedes Porsches, will, dass Alex immer weiter fährt, mutiere zwischenzeitlich zum Gegner jeder Geschwindigkeitsbeschränkung. Doch die Realität holt mich ein:
Der Motor geht aus. Wir sind zurück. Ich will noch mal, will selber. Aber ich kann nicht. Verflucht sei Colin Chapman, der Lotusmann, der diese Kiste nur für kleine Menschen bis ca. 1,88 m konzipiert hat. Ich hasse ihn. Und liebe ihn.
Aus: SwissClassics - Das Oldtimermagazin der Schweiz, Heft 08-4/2005.
Autor: Christoph von Arb


