FaF - Freunde alter Fahrzeuge 
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Aston Martin V8 Volante
«Mir schwellt da eine Frage im Gebeiss:» Warum hat mein Freund Michel einen V8 und nicht einen DB-irgendwas gekauft? Der schräge Texteinstieg ist schon Teil der Antwort. So unorthodox synchronisiert galoppierten nämlich Roger Moore als Lord Brett Sinclair und Tony Curtis als Daniel Wilde durch die Dialoge der Krimi-Kultserie «Die Zwei». Michel wiederum war ein eifriger Die-Zwei-Gucker und verliebte sich in den Aston Martin, den Roger Moore in der Rolle des very britischen Adligen durch die Folgen bewegte. Das war ein DBS und seines Zeichens Vater aller Aston Martin V8.
So kurz wie «The Persuaders», so der englische Originaltitel der Serie, wurde auch der DBS von Aston Martin produziert: 1970 vorgestellt, wurde er schon 1972 überarbeitet und schlicht in V8 umgetauft. Die DBS-Wurzeln sind aber bis 1989, dem letzten Produktionsjahr, sichtbar geblieben. Geblieben ist auch die Liebe von Michel zu diesem exklusiven Briten. Als er sich 2001 mit einem V8 Volante, also der ab 1978 erhältlichen Cabrioausführung, seinen Bubentraum erfüllte, war das für ihn ein besonderer Moment. Und auch ein besonderer Wagen. Die Witwe eines Arabers zog nämlich aus den Emiraten in die Schweiz und nahm auch ihr Shoppingwägelchen mit: einen schwarzen 1983er V8 Volante mit beigem Interieur und weniger Kilometern als es in Dubai arme Prinzen gibt. Sie fand die 4,67 Meter Länge und 1,83 Meter Breite dann aber etwas unpraktisch für die täglichen Einkäufe in Genf. So tätigte halt Michel seinen nicht alltäglichen Einkauf – und schweigt sich bis heute eisern über dessen Preis aus. Es sei aber ein Schnäppchen gewesen. Ich sag mit Danny Wilde: «Danke, Euer Lordschuft.»
Jetzt steht das Schnäppchen in seiner ganzen Unbescheidenheit vor mir und ich versuche krampfhaft, so viel Automobil auf einem Haufen zu begreifen. Aber ich liebe wie Michel Siebzigerdesign und finde es einen grossartigen Haufen. Trotz der üppigen Proportionen ist die Linie nämlich schlicht und elegant. Am geilsten find ich aber die unerreicht aggressive Zeichnung der Front. Auf der Autobahn diesen «Blick» im Rückspiegel entdecken und man erlebt noch einmal das eigene Leben im Schnelldurchlauf, bevor zitternd nach rechts geschwenkt wird. Ich will das gleich ausprobieren gehen und lasse mich in einer grandiosen, von Schaltern und Instrumenten überfrachteten Welt aus Conolly-Leder, Wilton-Teppichen und lackiertem Nussbaumholz nieder. Ehrfürchtig und unter Anleitung des Besitzers betätige ich einen Hebel und das Verdeck öffnet sich – nicht nur wegen der Frühlingssonne, sondern auch freudig wissend, dass bald acht muntere Zylinder meine Lauscher bebrabbeln wollen.
Und ich habe nicht zu viel erwartet: Der sonore V8-Sound, verstärkt durch die sagen wir vereinfachte Auspuffführung von Michels Gerät, lässt einen religiös werden. Wummernd und grollend bewege ich den Aston gemütlich durch städtisches Gebiet, wo sich so viele Köpfe drehen, dass ich das Gefühl habe, Spalier zu fahren. Also nichts wie raus. Und da geht’s dann richtig ab: Der 5,3 Liter Motor entwickelt 305 PS. Diese reichen, um die mehr als 1800 Kilogramm Leergewicht in 6,5 Sekunden über die 100 km/h-Grenze zu drücken. Und das geht unglaublich leicht von der Hand. Lenkung, Schaltung, alles wie durch Butter. Ich muss mich konzentrieren, nicht permanent zu schnell zu fahren. Denn dazu verleitet die Souveränität und Laufruhe des Volante, der übrigens selbst auf Passstrassen nicht so ausladend und schwer wirkt, wie man aufgrund der Daten meinen könnte. Im Gegenteil: Je länger ich den Koloss um Haarnadeln wuchte, desto leichtfüssiger kommt er mir vor und es macht echt Spass. Einzig, die direkte Folge habe ich nicht bedacht: Der Kraftstoff gurgelt bei beschriebener Fahrweise offenbar sturzbachartig durch die acht Kammern und leert den Siebenundneunzigliter-Tank schneller als Tony Curtis in seinen weniger guten Zeiten eine Flasche Wodka.
Na, egal. Michel ist’s gewohnt, zapft und zahlt. Und erzählt mir dabei über die Herstellung der V8. Darüber, dass die Fertigung der Aluminium-Motorhaube einen Handwerker eine ganze Woche in Anspruch nahm. Dass nur schon für die Ledereinfassung der Ränder der 14 pro Wagen verlegten Quadratmeter Wilton-Teppich die Haut eines ganzen Rindviehs verarbeitet wurde. Dass der Motor von einem einzigen Handwerker in einer Woche zusammengebaut wurde und sein Name dann auf einer Messingplatte auf dem Ventildeckel «seines» Motors verewigt wurde. Ich lausche ehrerbietig.
Und Lord Brett Sinclair und Danny Wilde meinen zu soviel britischer Exzentrik: «Kleidsamer Fusssack. Selbst gehäkelt?» «Ja, katholisch Mufflon in Karamellblau.»
Aus: SwissClassics - Das Oldtimermagazin der Schweiz, Heft 06-2/2005.
Autor: Christoph von Arb


